Praxis & Medizin

Nahrungsergänzungsmittel und Kaffee – unterschätzte Wechselwirkungen mit Medikamenten | Gut zu wissen

Nahrungsergänzungsmittel und Kaffee können ungeahnte Wechselwirkungen mit Medikamenten haben. Mehrere Nahrungsergänzungsmittel beeinflussen die Wirkung verschreibungspflichtiger Arzneimittel. Sie können den Spiegel der Wirkstoffe im Blut verändern oder das Risiko für Blutungen oder Sedierung erhöhen.

Ein besonders wichtiger Fall ist Johanniskraut. Es aktiviert bestimmte Stoffwechselwege im Körper, insbesondere das Enzym CYP3A4 sowie den Transporter P‑Glykoprotein. Dadurch wird die Wirkung vieler Medikamente abgeschwächt. Beispiele für bekannte Wechselwirkungen sind:

  • Immunsuppressiva wie Tacrolimus oder Ciclosporin
  • Antibabypillen
  • Statine (Blutfettsenker)
  • Beruhigungsmittel (Benzodiazepine)
  • Blutverdünner (Antikoagulanzien)

Grapefruitsaft schlägt in die gleiche Kerbe – allerdings in entgegengesetzter Richtung. Seine Inhaltsstoffe (Furanocumarine) blockieren ein wichtiges Abbauenzym (CYP3A4) in Darm und Leber. Dadurch verbleibt der Wirkstoff des Medikaments länger und in höherer Konzentration im Blut, was zu Nebenwirkungen wie starkem Blutdruckabfall führen kann.

Auch Ginkgo‑Präparate können problematisch sein. Sie erhöhen das Blutungsrisiko, insbesondere wenn zusätzlich Antikoagulanzien (Blutverdünner) oder Thrombozytenhemmer eingenommen werden.

Bei sogenannten Superfood‑Extrakten können Goji‑Beeren eine Rolle spielen. Es gibt Berichte über Wechselwirkungen mit Vitamin‑K‑Antagonisten wie Warfarin oder Phenprocoumon (Blutgerinnungsmedikamente), wodurch der INR‑Wert ansteigen kann. Hier ist besondere Vorsicht geboten.

Mineralstoffe sind wichtig, jedoch kann ein Zuviel an Kalzium, Eisen oder Magnesium die Aufnahme anderer Arzneimittel im Darm verringern. Ein bekanntes Beispiel ist Levothyroxin (Schilddrüsenhormon), dessen Aufnahme durch gleichzeitige Kalziumgabe deutlich sinken kann. Dies führt häufig zu höheren TSH‑Werten und einer Unterversorgung des Körpers mit dem Hormon.


Kaffee, Koffein und Arzneimittel

Koffein wirkt anregend auf das zentrale Nervensystem. Pseudoephedrin in Erkältungsmitteln hat eine ähnliche Wirkung. Zusammen können Kaffee und Pseudoephedrin zu Nervosität, Kopfschmerzen, Herzrasen und Schlafstörungen führen. Viele Erkältungspräparate enthalten bereits Koffein, was diese Effekte zusätzlich verstärkt. Besonders problematisch ist dies bei Menschen mit Diabetes, da Blutzucker und Körpertemperatur ansteigen können.

Ähnliche Risiken bestehen bei der gleichzeitigen Einnahme von Koffein mit:

  • ADHS‑Medikamenten (z. B. Amphetaminen)
  • Theophyllin, einem Asthmamittel mit koffeinähnlicher Struktur

Kaffee kann zudem die Aufnahme von Levothyroxin deutlich stören. Wird Kaffee kurz nach der Tabletteneinnahme getrunken, kann die Aufnahme um bis zu 50 % sinken. Ursachen sind eine beschleunigte Magen‑Darm‑Passage sowie eine mögliche Bindung des Medikaments im Magen. Die Folge sind Wirksamkeitsverlust und erneutes Auftreten von Schilddrüsensymptomen.

Ähnliche Einnahmeregeln gelten für Bisphosphonate wie Alendronat oder Risedronat (Medikamente gegen Osteoporose). Diese sollten nüchtern und mit 30–60 Minuten Abstand zu Kaffee eingenommen werden.

Koffein kann auch die Wirkung verschiedener Psychopharmaka beeinflussen:

  • Bei SSRIs (z. B. Sertralin, Citalopram) kann die Aufnahme im Magen vermindert werden, was die Wirkung abschwächt.
  • Trizyklische Antidepressiva (TCA) wie Amitriptylin werden über CYP1A2 abgebaut – ebenso wie Koffein. Bei gleichzeitiger Einnahme kann der Abbau verlangsamt sein, wodurch höhere Wirkspiegel und mehr Nebenwirkungen entstehen.
  • Clozapin zeigt eine besonders starke Wechselwirkung: Schon wenige Tassen Kaffee können den Spiegel deutlich erhöhen und zentrale Nebenwirkungen verstärken.

Darüber hinaus kann Koffein die Aufnahme von Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol beschleunigen, da es die Magenentleerung fördert und den Magensäuregehalt erhöht. Die Wirkung setzt schneller ein, gleichzeitig steigt jedoch das Risiko für Magenreizungen oder Blutungen. Ein vollständiger Verzicht ist meist nicht nötig, jedoch sollte der Kaffeekonsum reduziert und die körperliche Reaktion aufmerksam beobachtet werden.


Fazit

Viele Patienten halten Nahrungsergänzungsmittel für harmlos und unterschätzen die möglichen schädlichen Wechselwirkungen von Kaffee und Medikamenten. Entsprechend werden diese häufig nicht im ärztlichen Gespräch erwähnt.

Sinnvoll ist es, alle Nahrungsergänzungsmittel mit dem Handy zu fotografieren, um dem Arzt genaue Informationen geben zu können, und den Koffeinkonsum bewusst im Blick zu behalten.
Empfehlung: nicht mehr als vier Tassen Kaffee pro Tag und ausreichenden Abstand zur Medikamenteneinnahme einhalten.