Praxis & Medizin
Fit im Kopf ab 50: Gutes Hören schützt den Kopf! | Gut zu wissen
Früherkennung ist entscheidend
Ein gutes Hörvermögen ist ein wesentlicher Bestandteil von Lebensqualität und sozialer Teilhabe. Moderne Medizin hat unsere Lebenserwartung deutlich erhöht – umso wichtiger ist es, geistige Gesundheit und Selbstständigkeit auch im Alter zu erhalten. Einschränkungen des Hörens können dabei eine größere Rolle spielen, als vielen bewusst ist.
Studien zeigen, dass unbehandelte Schwerhörigkeit mit sozialer Isolation, Depressionen, kognitivem Leistungsverlust und einem erhöhten Demenzrisiko einhergehen kann. Dennoch tragen in Deutschland nur rund 16 % der Menschen mit relevanter Schwerhörigkeit ein Hörgerät.
Früherkennung ist entscheidend
Ein einfaches und effektives Instrument zur Früherkennung ist der Mini‑Audio‑Test (MAT) nach Jan Löhler et al. (2015). Der Test ist schnell durchführbar, beispielsweise im Rahmen eines Arztbesuchs, und zeigt an, ob eine weiterführende HNO‑fachärztliche Abklärung sinnvoll ist.
Ein erstes Hörscreening wird insbesondere zwischen dem 50. und 59. Lebensjahr empfohlen. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht rechtzeitige Behandlung und kann helfen, Folgeerkrankungen zu verhindern oder zu verzögern. Zudem können im Rahmen der Abklärung auch andere, Ursachen von Hörstörungen demaskiert werden, die gegebenenfalls einer operativen Behandlung bedürfen (z. B. Cholesteatome oder Vestibularisschwannome), welche unbehandelt lebensbedrohliche Komplikationen nach sich ziehen können, ohne zuvor weitere Symptome zu zeigen.
Früherkennung Schwerhörigkeit – einfach, schnell und effektiv – der Mini‑Audio‑Test (MAT)
Seit dem letzten Jahrzehnt erfreuen wir uns der überwältigenden Erfolge der modernen Intensivmedizin und ungeahnter pharmakologischer Innovationen, die breiten Bevölkerungsschichten eine höhere Lebenserwartung bei akzeptabler Lebensqualität beschert haben.
Zur Lebensqualität gehört gutes Hörverständnis, welches eine soziale Teilhabe ermöglicht.
„Nicht sehen zu können, trennt den Menschen von den Dingen. Nicht hören zu können, trennt den Menschen von den anderen Menschen“, soll Immanuel Kant festgestellt haben.
Auf der anderen Seite steigt die Zahl jüngerer Patienten, die einen zunehmenden Hörverlust zu beklagen haben, sei es aufgrund früherer „Jugendsünden“ im Hardrock‑Café oder durch permanente, laut übersteuerte Kopfhörer‑/Ear‑Bud‑Beschallung.
Hörgerät spart Folgekosten
Schätzungsweise 15 bis 20 Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer relevanten Schwerhörigkeit, von denen aber nur ca. 16 % Hörgeräte tragen. Diese Unterversorgung „bezahlen“ unsere Patienten mit sozialer Isolation, Depressionen, demenzieller Entwicklung, kognitivem Leistungsverlust, Stürzen infolge von innenohrassoziierten Koordinationsstörungen sowie nachfolgenden langen stationären Krankenhausaufenthalten und deren Folgekosten.
Nicht‑Behandlung wird teurer für alle
Auch die Gesellschaft als Ganzes bezahlt die Folgen der Unterversorgung mit höheren Krankenversicherungsbeiträgen, beklemmenden Engpässen in der Finanzierung der Gesundheitsversorgung, einer zunehmend unsicheren Versorgungslage und sozialem Unfrieden.
Wir leben in einer Zeit, in der Ressourcen wohlüberlegt und ebenso kostensparend eingesetzt werden sollten. Deshalb empfiehlt es sich, bei der Bilanzierung von Kosten und Nutzen medizinischer Maßnahmen auch die sozioökonomischen Kosten des Nicht‑Behandelns sowie dessen große soziale Bedeutung und Wirkung zu berücksichtigen. Einsamkeit, soziale Isolation und Demenz verursachen erfahrungsgemäß viele unnötige Arztbesuche.
Screening einfach im Wartezimmer
In Anbetracht dieser Aspekte gewinnt ein zielstrebiges und flächendeckendes Hörscreening ab dem 50. Lebensjahr enorm an Bedeutung. Eine solche Früherkennung stellt der Mini‑Audio‑Test nach Jan Löhler et al. (2015, MAT) dar, der einfach in der Anwendung ist.
Er zeigt eine abklärungsbedürftige Schwerhörigkeit auf und weist den Weg zur HNO‑fachärztlichen Überprüfung des Hörvermögens.
Optimalerweise sollte der MAT zwischen dem 50. und 59. Lebensjahr zum ersten Mal erfolgen. Dafür sprechen vier Gründe:
- Durch Früherkennung und frühe Behandlung können Folgeerkrankungen verhindert oder gemindert werden.
- Das Bewusstsein der Bevölkerung kann im Hinblick auf vermeidbare Erkrankungen und Beschwerden, die schwerhörigkeitsbedingt auftreten, geschärft werden.
- Schwerhörigkeit und ihre Folgeerkrankungen sollten nicht als banale Begleiterscheinungen des höheren Lebensalters – wie beispielsweise grauer Haarwuchs – verharmlost, sondern mit erheblichen Risiken (kognitiver Leistungsverlust, Stürze, Depressionen, Demenz) in Verbindung gebracht werden, die zumindest teilweise durch eine Hörgeräteversorgung oder operative Therapie positiv beeinflusst werden können.
- MAT als Screening‑Tool kann im Zuge der weiteren Abklärung andere Ursachen der Schwerhörigkeit demaskieren, die gegebenenfalls einer operativen Behandlung bedürfen (z. B. Cholesteatome oder Vestibularisschwannome), welche unbehandelt lebensbedrohliche Komplikationen nach sich ziehen können, ohne zuvor weitere Symptome zu zeigen.
Hörscreening ab 50 – jetzt aktiv werden
Der MAT wird anhand eines Punktesystems ausgewertet. Ab einem Schwellenwert von
- 2 x “stimmt” bei unter 60‑Jährigen bzw.
- 3 x “stimmt” bei über 60‑Jährigen
wird eine fachärztliche Überprüfung des Hörvermögens empfohlen.
Gute Nachrichten: In unserer Praxis können wir in der Regel zeitnahe Termine zur Hördiagnostik anbieten.
👉 Termin vereinbaren und Hörtest durchführen lassen:
https://www.hno-praxis-kiel.de
Ihre
Marina Gosemann
Quelle:
Löhler, J.; Lehmann, M.; Segler, V.; Volkenstein, S.; Battmer, R.-D.; Ernst, A.; Gräbner, F.; Schlattmann, P.; Schönweiler, R.; Wollenberg, B.; Dazert, S.: Der Mini‑Audio‑Test (MAT) – Eine Screeningmethode auf Schwerhörigkeit für Haus‑ und Fachärzte. Laryngo‑Rhino‑Otologie, DOI: 10.1055/a‑0805‑5741

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